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Schnitzeljagd durch Würzburg: 500 Jahre Bauernkrieg

03.04.2025

Orte und Personen im Bauernkrieg sichtbar machen, an die in Würzburg kaum oder gar nicht erinnert wird: Darauf zielt die Geschichtsdidaktik der Uni Würzburg mit einer frei zugänglichen App ab.

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Das heutige Würzburger Weinhaus Stachel war im Bauernkrieg von 1525 ein konspirativer Treffpunkt der Bauernführer. (Bild: Robert Emmerich / Universität Würzburg)

Die Landwirtinnen und Landwirte von heute sind selbstständige Unternehmer. Vor 500 Jahren sah das anders aus. Bauern waren damals abhängig von ihren Grundherrn, etwa von einem Adligen, einem Bischof oder einem Kloster. Der Grundherr sorgte für „Schutz und Schirm“, die Bauern hatten Abgaben und Frondienste zu leisten.

Zunehmende wirtschaftliche Belastungen und rechtliche Benachteiligungen, aber auch Martin Luthers Reformation führten dazu, dass die Menschen dieser Zeit sich eine religiöse und soziale Neuordnung wünschten. In Teilen Südwestdeutschlands, in Salzburg, Tirol, Franken, Sachsen und Thüringen kam es zu Rebellionen gegen die Territorialfürsten und Grundherren. Zu den Aufständischen gehörten neben den Bauern auch Handwerker und Tagelöhner, vereinzelt sogar Adlige und ganze Städte, wie etwa Würzburg.

Belagerung der Festung Marienberg

Am 9. Mai 1525 zwangen Bauern und ihr Anführer, der fränkische Ritter Florian Geyer von Giebelstadt, die Stadt Würzburg während einer Stadtratssitzung dazu, sich dem Aufstand anzuschließen. Aus Angst vor der Reaktion des Fürstbischofs Konrad II. von Thüngen beteiligte sich die Stadt aber nicht an der folgenden Belagerung der Festung Marienberg, dem Sitz des Bischofs. Der war zu diesem Zeitpunkt in Heidelberg, um beim Schwäbischen Bund Unterstützung gegen die Aufständischen zu erbitten.

Die Aufständischen beschossen die Festung, die Truppen des Bischofs feuerten zurück. Am Ende scheiterte die Belagerung. Kurz darauf unterlagen die Rebellen den anrückenden Truppen des Schwäbischen Bundes – am 4. Juni 1525 in der Schlacht von Ingolstadt, einer kleinen Ortschaft vor den Toren der Stadt.

Digitale Schnitzeljagd und Lernen an Stationen

Wer mehr über diese unruhigen Tage in der Stadt Würzburg wissen will, wird in der kostenfreien App Actionbound fündig. Unter dem Titel „Aufruhr in Würzburg – Personen und Orte des Bauernkriegs“ findet sich dort ein Bound, der an der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg entstanden ist. Bounds sind eine Mischung aus Stationenlernen und digitaler Schnitzeljagd. Sie lassen sich kostenfrei durchspielen – bei einem Spaziergang zu den Originalschauplätzen in der Stadt, aber auch zu Hause am Küchentisch.

Weblink zum Actionbound

18 Studierende haben den Bound zum „Bauernkrieg“ in einem Seminar für Didaktik der Geschichte bei Dozentin Dr. Miriam Montag-Erlwein erarbeitet. Primäre Zielgruppe sind Schülerinnen und Schüler aus der siebten Jahrgangsstufe an Realschulen und Gymnasien – in deren Unterricht wird der Bauernkrieg behandelt; der Bound ist auf den Lehrplan abgestimmt. Aber natürlich lohnt es sich für alle Menschen mit Interesse an Geschichte, die App zu spielen.

Historische Orte und persönliche Sichtweisen

Der Bauernkriegs-Bound besteht aus neun Stationen. „Wir wollen damit nicht nur historische Fakten vermitteln, sondern auch historische Quellen und persönliche Sichtweisen der damals handelnden Personen aufzeigen“, sagt Miriam Montag-Erlwein.

Einer der Agitatoren auf Seiten der Bauern war der fahrende Sänger Hans Bermeter. Er verstand es, Menschen für eine Sache zu begeistern, schreckte aber auch nicht davor zurück, etwa Fake News über den Fürstbischof zu verbreiten. „Die Quellenlage aus dieser Zeit ist zwar dünn, aber wir können in dem Bound doch zeigen, wie einige Zeitgenossen über Bermeter dachten“, so die JMU-Dozentin.

Der Bound führt außerdem an einige wichtige Orte in der Stadt. Etwa zum Weinhaus Stachel, das seinerzeit ein konspirativer Treffpunkt für die Bauernführer war. Oder zur Kirche St. Burkhard am Fuß der Festung, wo sich das Waffenlager der Bauern befand. Eine weitere Station ist der frühere Fischmarkt, der heutige Sternplatz. Dort ließ der Fürstbischof nach dem Krieg mehrere Aufständische hinrichten.


Kontakt

Dr. Miriam Montag-Erlwein, Didaktik der Geschichte, Universität Würzburg, T +49 931 31-87227, E-Mail: miriam.montag-erlwein@uni-wuerzburg.de


 

Weitere Bilder

Von Robert Emmerich

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